Im Sport ist mehr drin!

Talk im Wahlkreis am 28.3.2017 in Hattingen (Rathaus)

Im Sport(verein) liegt ein großes Bildungspotential, darüber waren sich Politik, Wissenschaft und die Vertreter der Vereine beim „Talk im Wahlkreis am 28.03.2017 in Hattingen einig. Die Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmern und den Gästen im Publikum wurde moderiert von Michael Heise (Vorsitzender des SSV Hattingen) und drehte sich besonders um das „Wie“: Wie können verschiedene Bildungsprozesse gestaltet werden? Was können Politik und Verwaltung konkret beitragen, damit der Sport als Bildungspartner auch wirksam genutzt wird? Wie können die Übungsleiter/Trainer ihre Rolle als Bildungsvermittler besser wahrnehmen?

Zu Beginn wies Prof. Dr. Bernd Gröben von der Universität Bielefeld (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft) in seinem Impulsvortrag darauf hin, dass in Bewegung, Spiel und Sport viel mehr steckt, als Schweiß und Rekorde. „Bildung ist ein lebenslanger Lernprozess, der im Sport am eigenen Körper erfahren wird“. Aus pädagogischer Sicht stellte Gröben vor allem die vielfältigen Möglichkeiten des Spielens und Wettkämpfens heraus. Sport ermöglicht aus seiner Sicht ein authentisches und hochattraktives Erlebnis. In der späteren Diskussion mit den Gästen konnten diese Erkenntnisse z.B. durch das Sportkarussell, als ein Modell der Kooperation zwischen Sportverein und Schule, konkretisiert werden. Kinder erleben vielfältige Angebote innerhalb eines Schuljahres und können sich dann für ein Sportangebot im Verein entscheiden, das ihnen am meisten Spaß gemacht hat. Und nicht nur für Kinder sondern für alle Altersgruppen spielen der Spaß und die Begeisterungsfähigkeit der Übungsleiter und Trainer eine wichtige Rolle. Die Grundlage dafür ist eine gesicherte Qualifizierung von Akteuren im Sport, als auch andere Ressourcen wie z.B. genügend Sporträume, so Prof. Dr. Gröben. Das Thema Sporträume wurde zwar immer wieder aufgegriffen, aber auch andere Themen wie die Verzahnung von Schule, Ganztag und Sportverein oder eine gelebte Anerkennungskultur für ehrenamtliches Engagement rückten in den Fokus.

Der KreisSportBund Ennepe-Ruhr hat mit diesem ersten Aufschlag das Thema auf politischer Ebene ins Spiel gebracht. Nun gilt es das Thema im Spiel zu halten, aufzugreifen und angesprochene Themen wie „Kita“ und „Ganztag“ konkret zu bearbeiten. Dazu wird es neben Fortbildungen wie z.B. „Fit für den Ganztag“ in der zweiten Jahreshälfte ein Fachgespräch geben – weitere Informationen dazu folgen.

Im Folgenden eine kurze Auswahl und Zusammenfassung der Aussagen der Podiumsgäste:

Impulsvortrag Prof. Dr. Bernd Gröben

  • „Sport lässt sich nicht nur auf Schweiß reduzieren. Im Kern kann uns der Sport packen. Das erfordert und fördert körperliche Leistung. Dabei kann Sport auf Rezept nur wenig bringen. Es kommt auf eine gewisse Haltung an. Denn der Sport entfaltet sein bildungspotential erst dann, wenn es für den einzelnen selbst sinnhaftig wird und vor allem Spaß macht.“

Olaf Schade (Landrat EN-Kreis)

  • der Sport hatte für ihn persönlich immer zwei Seiten: Im Sportunterricht oder bei Bundesjugendspielen waren das nicht nur gute Erfahrungen, hingegen beim Rudern sehr positive: „Wenn man füreinander einsteht und im Team zusammenarbeitet, ist das eine tolle Erfahrung.“
  • betont die vielfältigen Bezüge zwischen dem EN-Kreis und dem Sport wie z.B. die finanzielle Unterstützung des KSB, die Zuschüsse im Leistungssport und der Investitionsförderung, die enge Zusammenarbeit im Kommunalen Integrationszentrum, dem Bildungsbüro und bei Sportgroßveranstaltungen wie z.B. der Sportlerehrung oder Radtouristikfahrten der Vereine
  • Kommunen müssen sich Sportstätten leisten können:
  • die Einigkeit in der Bedeutung des Sports sollte auch noch nach der Wahl Bestand haben
  • vernünftige und pragmatische Lösungen im Umgang mit dem Führungszeugnis zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sollten verwirklicht werden
  • der KSB soll im Bildungsrat der Bildungskonferenz beteiligt werden
  • wir müssen lernen mit den Problemen im Offenen Ganztag und in der Schule umzugehen.

Prof. Dr. Bovermann (SPD)

  • der Sport hat auch für ihn immer zwei Seiten: positive Erfahrungen konnten im Mannschaftssport beim Volleyball gesammelt werden,aber auch negative Erfahrungen im Schulsport haben ihn geprägt.
  • die Bildungspotentiale des Sports sind auf Landesebene bekannt und anerkannt
  • der Sport sollte als „Markenzeichen“ ein fester Partner des Bildungsnetzwerkes EN sein
  • das Programm „Gute Schule“ bietet einen sehr guten Bewegungsspielraum , um die Rolle des Sports zu verbessern – an dieser Stelle müssen Kommunen ermuntert werden, die Programme auch abzurufen
  • der Fokus sollte auf dem Ganztag liegen, denn hier liegt eine der größten gemeinsamen Schnittstellen zwischen Bildung und Sport; konkrete Rahmenbedingungen und Vereinbarungen bzgl. der Qualität sollten wichtige nächste Schritte sein.

Verena Schaeffer (Die Grünen)

  • hat selbst jahrelang Basketball gespielt und gelernte Verantwortung zu übernehmen
  • leidenschaftliche Ultimate Frisbee Spielerin, die hier einen enormen Reiz am Fairplay sieht
  • sieht die personelle Unterstützung für Städte und Kreise für unumgänglich
  • Ganztag als große Herausforderungà Wie können Vereine in Schulen aktiv werden und was kann Politik tun, damit verbindliche Strukturen gesichert werdenàGeneralverträge?
  • ist für eine Erhöhung der Sportpauschale
  • der Sport ist ihrer Meinung nach vor allem auch in Bezug auf die demokratischen Werte ein unverzichtbarer außerschulischer Partner (Kampagnen gegen Rechts, Freiräumertour, Werte im Sport, etc.)
  • mit dieser Veranstaltung wurde sehr deutlich wie schwierig die Erreichbarkeit/Verfügbarkeit von Ehrenamt im Rahmen des Ganztags ist, deshalbmüssen Anreize geschaffen werden.

Lars König (CDU)

  • ist eher ein Individualsportler, der sich besonders gerne beim Squash vor Klausuren und wichtigen Prüfungen ausgepowert hat und dann mit einem freien Kopf in die Prüfung ging
  • möchte den Fokus auf die Schwimmfähigkeit von Kindern legen
  • seine Ansicht nach muss der Sportunterricht wieder aufgewertet (personell und qualitativ) werden, denn es fehlt an einer fundamentalen Ausstattung und Rahmenbedingungen, dass Sport in der Schule und damit auch wieder im Verein möglich wird und damit letztlich die Bildungspotentiale zum Tragen kommen
  • möchte sich auch für Strukturen stark machen, die ein junges Engagement in Vereinsvorständen ermöglicht – Abbau von bürokratischen Herausforderungen

Stefan Borggraefe (Piratenpartei)

  • hat selber im Sport erfahren wie wichtig Teamfähigkeit und Fairplay sind
  • für ihn ist die Verbindung von Sport und Bildung bedeutsam und auch in der Landespolitik der Piraten sind die Potentiale bekannt
  • mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist klar, dass Menschen wieder mehr Zeit für ein selbstbestimmtes Leben haben und , sich auch mehr ehrenamtlich engagieren können
  • E-Sports ist mehr als nur ein Trend, wird fester Bestandteil der Sportlandschaft und sollte damit auch steuerrechtlich als Sport anerkannt und förderfähig werden.
  • In eine Neuauflage des Pakts für den Sport zwischen neuer Landesregierung und Landessportbund sollte ein Kapitel Integration ergänzt werden, um die wichtige
    Arbeit der Sportvereine in diesem Bereich Rechnung zu tragen.

Bodo Middeldorf (FDP)

  • hat ebenfalls einen Sportvereinshintergrund und weiß um die Bildungspotentiale des Sports
  • aus seiner Sicht ist eine systematische Verknüpfung von Schule und Sportverein unerlässlich
  • legt den Fokus auf das Bürgerschaftliche Engagement und stellt die Frage, wie wir es schaffen können, dass dieses Engagement wieder mehr Anerkennung findet
  • ein zweiten entscheidenden Aspekt zur Förderung des Engagements in Vereinen sieht er in der Verminderung von bürokratischen Hürden – die aktuelle Überforderung der Vereine ist sehr problematisch

Dirk Engelhard (1. Vorsitzender)

  • ist grundsätzlich mit der Qualifizierung im Kreis zufrieden
  • sieht eine immer stärkere Verschiebung der Zielgruppen, bei der vor allem die Älteren und Hochaltrigen in den Fokus rücken – diese Zielgruppe bietet unter dem Gesichtspunkt der Vereinsentwicklung ein enormes Potential
  • sucht nach neuen Wegen und alternativen Nutzungsmöglichkeiten von Sportstätten – hier sind eine enge Zusammenarbeit mit Kommunen, Trägern der freien Wohlfahrtspflege aber vor allem Kreativität gefragt
  • freut sich auf die enge Zusammenarbeit in der Bildungskonferenz/ im Bildungsrat.

Fazit des „Talk im Wahlkreis“

  • alle Landtagskandidaten/-abgeordneten unterstützen den Sport als Bildungsträger, die Weiterbildungsträger in NRW und den Pakt für den Sport in NRW
  • der EN-Kreis unterstützt Sport und Vereine weiter, steht zum Pakt für den Sport im EN-Kreis, dessen kontinuierliche Weiterentwicklung und die Einbeziehung der Bildungspotenziale
  • die Bildungspotenziale des Sports müssen in den Vereinen und Qualifizierungen thematisiert und bewusst gemacht werden.

Der Link zum Pressebericht der WAZ-Hattingen: www.waz.de/staedte/hattingen/politiker-sprechen-ueber-sport-id209989583.html